Schüler*innen der Glasfachschule NRW gestalten Ausstellung des Landschaftsverbands Rheinland

von Sebastian Ramm

Die Ergebnisse des brandaktuellen Kooperationsprojekts „Das Leben mit dem Loch – Alltag im Rheinischen Braunkohlenrevier in Zeiten der Energiewende“ sind in Erkelenz zu bestaunen.

Einfach war es in Corona-Zeiten nicht immer, am Ball zu bleiben und ein großes Ausstellungsprojekt des Landschaftsverbands Rheinland gestalterisch umzusetzen. Doch die angehenden Gestaltungstechnischen Assistent*innen der AG 19 unter der Leitung von Jörg-Steffen Claß haben hier ganze Arbeit geleistet und am 15.10.2021 konnte die Ausstellung „Leben mit dem Loch – Alltag im Rheinischen Braunkohlenrevier in Zeiten der Energiewende“ in der Stadthalle Erkelenz eröffnet werden. Sie wird in der dortigen Stadtbücherei noch bis zum 15.12. zu sehen sein und dann auf Wanderschaft gehen.

Auch wenn dem Voranschreiten der großen Tagebaue wie Garzweiler II und den sich daraus ergebenden Umsiedlungsprozessen eine lange Entwicklung von Jahrzehnten vorausgeht, ist das Thema für die Menschen vor Ort doch stets aktuell. Und in Zeiten der sich immer stärker beschleunigenden Energiewende leben die Betroffenen in einem ganz besonderen Spannungsfeld.

So haben Dr. Anja Schmid-Engbrodt und Dr. Judith Schmidt im Rahmen eines Forschungsprojekts für das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn unter der Leitung von Dr. Dagmar Hänel zunächst eine Bestandsaufnahme vor Ort durchgeführt. Dabei stand besonders die Begleitung der Bewohner*innen der Umsiedelungsorte Keyenberg, Kuckum, Westrich und Berverath von der alten Heimat in die neue im Mittelpunkt. Es wurden zahlreiche Interviews geführt sowie Zurückgelassenes und Mitgenommenes gesichtet.

Als klar wurde, dass es eine Ausstellung zum Thema geben müsse, wandten sich die Verantwortlichen mit der Bitte, hierfür einen Gestaltungsvorschlag zu entwickeln, an den Schulleiter der Staatlichen Glasfachschule Rheinbach, Jochen Roebers. Nach einem ersten Briefing mit den Wissenschaftlerinnen und Beteiligten unterschiedlicher Abteilungen der Schule sowie anschließender schulinterner Abstimmung war klar, dass dies eine mehr als interessante Aufgabe für den Bildungsgang der Gestaltungstechnischen Assistent*innen unter der Leitung von Dr. Tanja Durchholz wäre. Es galt, eine Wanderausstellung - bestehend aus verschiedenen Modulen - zu konzipieren. Hierfür wurde die AG 19, eine Mittelstufenklasse des 3-jährigen Bildungsganges unter der gestalterischen Leitung von Jörg-Steffen Claß, ausgewählt.

Für die Schülerinnen und Schüler war es eine ganz besondere Herausforderung, sich in das Geschehen hineinzuversetzen, um adäquate Gestaltungsideen zu entwickeln. Denn sowohl eine Besichtigung von Keyenberg und Garzweiler II als auch Präsenzveranstaltungen mit den beiden Wissenschaftlerinnen konnten aufgrund der jeweils geltenden Corona-Verordnungen der Jahre 2020/21 nicht stattfinden wie geplant. Und so behalf man sich mit Online-Meetings und der Sichtung schriftlicher Aufzeichnungen sowie der Interviews.

Im Rahmen eines Gestaltungswettbewerbs wurden zunächst verschiedene Teams gebildet. Dann ging es „in medias res“ und unterschiedliche Entwürfe, welche die Ausstellungsinhalte unterstreichen sollten, wurden erarbeitet. Hier musste besonderes Augenmerk auf die Farb- und Motivwahl sowie die Ausstellungsmaterialien gelegt werden. Vom LVR ausgewählt, prämiert und für die Ausstellung kombiniert wurden schließlich zwei Entwürfe, die zum einen schablonenartig das Motiv „Loch“ und zum anderen das Motiv „Beheimatung“ in Form eines Hauses in die Gestaltung aufgenommen sowie die Farbassoziationen von Erdreich, Bauschutt, Protest, Himmel und Begrünung geweckt hatten. Als Materialien für die modulare Wanderausstellung wurden von den Schülerinnen und Schülern Bauzäune für die Präsentation von Infotafeln und Holzpaletten als Podeste für Ausstellungsobjekte vorgeschlagen und von den Verantwortlichen begeistert aufgenommen.

Das große Engagement von Herrn Claß, der es immer wieder verstand, seine Schülerinnen und Schüler zu Höchstleistungen anzutreiben, und trotz mancher Widrigkeiten die Fäden in der Hand behielt, gilt es besonders hervorzuheben. Ebenso danken wir den Akteuren des Landschaftsverbands Rheinland für ihre Geduld, denn so ein Schülerprojekt ist eben doch noch nicht ganz mit der Arbeit einer professionellen Werbeagentur zu vergleichen.

Was am Ende herausgekommen ist, kann sich sehen lassen! Überzeugen Sie sich selbst davon und besuchen Sie die Wanderausstellung „Das Leben mit dem Loch – Alltag im Rheinischen Braunkohlenrevier in Zeiten der Energiewende“ bis zum 15.12. in der Stadtbücherei Erkelenz oder einer ihrer weiteren Stationen…

Viel Spaß dabei wünscht Ihnen das Team der Glasfachschule!!

 

Text: Dr. Tanja Durchholz

 

Hier vier der sechs Erstplatzierten bei der Ausstellungseröffnung in der Stadthalle Erkelenz

Pia Weerts, Paul Zander, Maja Junghanß und Lena Schreiber (außerdem: Pia Lorbach und Laureen Neumann)

Schülerzitate:

Pia: „Es war ganz schön schwierig, aus den vielen Informationen ein Gesamtkonzept zu machen.“

Maja: „Ich wusste gar nicht, dass es auch an unserer Schule Menschen gibt, die von der Umsiedelung betroffen waren.“

Lena: „Es war ein ganz besonderes Gefühl, bei der Ausstellungseröffnung zu sehen, wie die eigene Idee in der Realität wirkt!“

Paul: „Ich fand es toll, dass wir durch den LVR doch noch den Tagebau und einen Umsiedelungsort besuchen und mit den Einwohnern sprechen konnten, auch wenn das aufgrund von Corona erst nach dem Abschluss des Projekts möglich war.“

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