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Von der Winterschule zu Sommersonne und Farbenfreude Gestaltungsprojekt der GTA verschönert die Arbeitsatmosphäre bei den „Neuen Pfaden für Jugendliche“ ||...||...|| März 2008

Einladendes Ambiente statt tristem Verwaltungscharme:
Das im Innern renovierte Haus an der Koblenzer Straße 6 hat eine lange Geschichte.
Zu Anfang des 20. Jahrhunderts nahm hier zuerst die Landwirtschaftliche Winterschule ihre Arbeit auf, nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Beseitigung der Kriegsschäden fand eine Außenstelle des Katasteramtes hier eine Unterkunft. Nach deren Weggang Ende der siebziger Jahre zog eine Außenstelle des Jugendamtes ein - aber auch nur solange, bis an der Aachener Straße neue,  schönere Räumlichkeiten verfügbar wurden. Danach herrschte erstmal Ruhe in allen Räumen, bis im Herbst 2006 die Neuen Pfade für Jugendliche auf das leerstehende Gebäude aufmerksam wurden. Winterschule

Mit dem Eigentümer, dem Rhein-Sieg-Kreis, konnte man sich schnell auf einen Mietvertrag einigen, der auch den insgesamt schlechten Bauzustand des Gebäudes berücksichtigte und so hatte das Gebäude ab November 2006 neue Bewohner.

Allerdings, die über die Jahre hinweg „gewachsene“ graue Atmosphäre konnte auch mit einigen Eimern Farbe an Türen und Wänden nicht übertüncht werden.

Da kam Ende 2006 in einem Gespräch zwischen Werner Gerhards, dem Gründer der „Neuen Pfade“  und Hans Derks, dem Abteilungsleiter der Gestalter an der Glasfachschule (oder dem Staatlichen Berufskolleg Glas/ Keramik/Gestaltung des Landes NRW, wie es offiziell heißen muss), die Überlegung auf, ob man hier nicht mit Schülerinnen und Schülern, die am Berufskolleg zu Gestaltungstechnischen Assistentinnen und Assistenten ausgebildet werden, in einem Projekt etwas tun könne.

Die Idee wurde auf beiden Seiten gern aufgegriffen. Frau Susanne Opitz, die am Berufskolleg die Klasse GTAG 3c in Gestaltungstechnik unterrichtet, kam mit ihren Schülerinnen und Schülern zu ersten Gesprächen und „Ortsterminen“ mit den „Managern“ von den Neuen Pfaden zusammen, um auszuloten, wie man da am besten vorgehen müsste. Die Neuen Pfade erzählten über ihre Arbeit mit Jugendlichen und über die bislang verwendeten Symbole und Farbgebungen im visuellen Erscheinungsbild – und machten deutlich, dass sie für die Entwicklung von Lösungsansätzen darüber hinaus keine einschränkenden Vorgaben machen wollten.

Entwurf

Die Schülerinnen und Schüler nutzten diesen Freiraum und entwickelten verschiedenste gestalterische Ideen, die zumindest für die „älteren Herren“ der Neuen Pfade etwas ungewöhnlich erschienen: Bäume, die (auf die Wand aufgemalt) vom Boden bis in die Decke hinein wuchsen und gleichsam einen Blick in die freie Natur vermittelten, ein blauer Sommerhimmel mit weißen Wolken, Türen als Mauerdurchbruch oder zur Theaterbühne verfremdet, eine Windrose an der Decke, die das Motiv des Sterns der Neuen Pfade aufgriff  - viele unterschiedliche aber durchweg sehr anregende Ideen, die nun natürlich in einen längeren Abstimmungsprozess eingehen mussten; schließlich sollten sich ja ALLE in den neuen (alten) Räumen wohl fühlen können.

Also einigten sich die Neuen Pfade zunächst einmal intern auf eine Meinung zu den verschiedenen Vorschlägen; dann wurde mit den zukünftigen Gestaltungstechnikern und ‑technikerinnen darüber diskutiert und schließlich daraus ein Gesamtkonzept entwickelt.

Den „roten Faden“ bildete dabei die Idee der „Ausblicke nach Draußen“, quasi als Metapher für das Anliegen der Neuen Pfade, mit ihrem Angebot sozial benachteiligten jungen Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu eröffnen. Statt der Türen sollten nun Fenster die Wandflächen optisch auflockern und gleichzeitig symbolisch die fensterlosen Räume nach „Draußen“ öffnen. Als Ausblick bot sich der Blick auf tatsächliche Motive aus den Projektarbeiten der Neuen Pfade geradezu an. Reale Fensterrahmen, hinter denen auf Leinwand gemalte Szenen angebracht waren, das Ganze durch geeignete Beleuchtung hervorgehoben – dieses Konzept schien geeignet, den Eindruck eines Raumes zu vermitteln, der sich nach außen hin offen und transparent zeigt und einer Atmosphäre, die Optimismus ausstrahlt.

Der nächste Arbeitsschritt galt der Umsetzung der gesammelten Ideen in die konkrete Planung. Das Ausmessen der Wandflächen mit den zigfachen Unterbrechungen durch Türen, Heizungskörper, Schaltkästen, Feuerlöscher u.a.m., das „Auftreiben“ geeigneter und schöner alter Fensterrahmen, ihre handwerkliche Aufbereitung und mögliche, dann wieder verworfene indirekte Beleuchtung, die Auswahl der Motive, die dahinter sichtbar werden sollten, die farbliche Ausgestaltung und technische Vorbereitung der Wände und Decken und viele, viele andere Festlegungen mit Hilfe der Expertise von KollegInnen und Freunden sogar aus dem fernen Wuppertal führten schließlich zu einer detaillierten Aufstellung der Arbeitsschritte, der erforderlichen Arbeitsmaterialien und damit auch der damit verbundenen Kosten.

In der letzten Oktoberwoche schließlich ging es los. Die 23 Schülerinnen und Schüler der Klasse GTA3c nahmen das Erdgeschoß des alten Gebäudes an der Koblenzer Straße mit sich und allen zwischenzeitlich besorgten Materialien in Beschlag, brachten mit großen Fahrgerüsten dünnste Farbschichten auf die Wände und Symbole an die Decken, belegten die Holzwerkstatt, um aus alten gesponserten Fensterrahmen mit Heißluftpistole, Schleifpapier, Spachtelmasse und Lasur sowie Lack neue ansehnliche Rahmen und mit der „Flex“ elegant geschliffene Beschläge zu zaubern und richteten im großen Unterrichtsraum schnell einen sehr bunten Malersaal ein.

im Malersaal

Was einem außenstehenden Laien wie ein nur oberflächlich strukturiertes Chaos erschien, hatte jedoch ein wohldurchdachtes System, dem ein ausgetüftelter Arbeits- und Materialplan zugrunde lag: Eine „Wandgruppe“, die Bildergruppe, eine „Deckengruppe“, eine „Fensterrahmengruppe“ und eine Gruppe für „Deko und Details“ mussten untere Beachtung der jeweiligen Trockenzeiten gleichzeitig arbeiten können, um die von ihnen jeweils verantworteten Vorschläge in die Realität umzusetzen.

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Am Ende der Woche strahlten alle Wände der Eingangsräume in einem neuen siena – maisgelb – ockerfarbenem, marmoriertem Glanz, waren Heizungen im gleichen Farbton fast und der Feuerlöscher ganz verschwunden, leuchtete von der Decke das Logo als großer Stern. Das vom Gerüst befreite Treppenhaus begleitete den Besucher nun, einem dezentfarbenen Regenbogen gleich, in die höheren Gefilde der Verwaltung, die taubenblau lasierten Fensterrahmen mit ihren farbenfrohen impressionistischen Bildern hingen ordentlich an den für sie vorgesehenen Wänden und neue Türschilder dienten dem Besucher zur Orientierung, nachdem er schon am Eingang mit elegant-transparentem Schriftzug auf der Glastrennwand mit dem neuen Pflanzendekor empfangen worden war. Und – wirklich alle Spuren von Farbe, Staub und Pausenbrot waren fein säuberlich beseitigt.

Foyer         Foyer

Zur Abrundung des Gesamteindrucks mussten dann noch mal bezahlte Handwerker anpacken: Die Fliesen im "Foyer" (nunmehr eine durchaus passende Bezeichnung) wurden erneuert, und - dank der großzügigen Spende einer Herstellerfirma  - konnten auch neue Deckenleuchten montiert werden, die das Ganze „ins richtige Licht“ setzten.

Begrüßung

Am 22. Januar war es dann soweit: die Neuen Pfade und die Glasfachschule luden die Öffentlichkeit zur Besichtigung der neugestalteten Räume ein. Viele interessierte Gäste, an ihrer Spitze der Bürgermeister der Stadt, Stefan Raetz, ließen sich von den jungen Gestaltern im Beisein ihrer begleitenden (Klassen-) Lehrer, Schulleitung und ihrer stolzen Fachlehrerin die Arbeiten erläutern und verfolgten gespannt die von der Klasse erarbeitete witzige Power-Point–Präsentation. Nochmal lief der ganze  Gestaltungsprozess vom Auftrag und Kundengespräch bis hin zum Produkt bildlich vor den Augen der Gäste ab. Spätestens jetzt wurde jedem klar, welches Engagement und wie viel Arbeit alle Beteiligten in dieses Projekt hineingesteckt hatten.

Interessierte
Einstimmiges Lob, großes Interesse und überzeugte Anerkennung kamen von allen Seiten und waren ein schöner, verdienter Dank für beide Rheinbacher „Institutionen“.
Verewigt hatte sich die junge Gestaltergemeinschaft der Glasfachschule schon zuvor: In Deckenhöhe sind – erst auf den zweiten Blick erkennbar – alle Namen fürs Erste unvergesslich in einem durchgehenden schablonierten Fries aneinandergereiht: eine Signatur „unter“ ein gelungenes Werk.

7 junge GestalterInnen

Susanne Opitz                         Dieter Deindörfer
Glasfachschule                        Neue Pfade für Jugendliche


 

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