Flügel kriegen

von Sebastian Ramm

Über ein Jahr lang waren wir unterwegs und drehten eine Doku, über alles mögliche: über andere Lebensstile, unseren Umgang mit Essen und Müll, und trafen tolle Leute, die uns was zu sagen haben.

Flügel kriegen

Eine 50-minütige Filmdokumentation von MedienschülerInnen des Berufskolleg Rheinbach

Unsere ursprüngliche Idee war es, einen Film zu realisieren, über Menschen die anders leben, bewußter leben und sorgsam mit der Umwelt umgehen. Das klingt erst mal nicht so richtig spannend, aber wenn man sich drauf einläßt und offen ist, entdeckt man immer mehr zu der Thematik. So ist es uns geschehen. Anfang 2018 begannen unsere Dreharbeiten und wir ahnten noch nicht, welche Geschichten uns in den folgenden Monaten noch begegnen sollten. Bewußt haben wir uns durch die Inhalte treiben lassen. Das war gut so.

Wir sind eine Gruppe Medienschüler des Berufskolleg Rheinbach und unter der Leitung von Filmemacher Bernd Siering begannen die Dreharbeiten in Bonn, am Rhein. Hier wollten wir sehen, wie wir in unserer unmittelbaren Umgebung mit Verschwendung und Müll umgehen und ob wirklich soviel Plastik an den Ufern des Rheins liegt. Tatsächlich wurden wir garnicht richtig fündig, und kamen sofort ins zweifeln. Aber dann klärte es sich, denn am Wochenende zuvor hatte eine Säuberungsaktion von Greenpeace an den Ufern stattgefunden. Um so besser.

Das Thema Plastik in Flüssen und den Weltmeeren ließ uns keine Ruhe mehr. Doch bevor wir uns in Richtung Meer auf den Weg machten, drehten wir noch allerlei, lernten viele Aspekte des „anders Leben“ kennen. Wir besuchten die Nachhaltigkeits-Messe der Uni-Bonn. Lernten Bianca und ihren „verpackungsfreien Lebenstil“ kennen, besuchten den Unverpacktladen Freikost Deinert und beobachteten Eva, die Lebensmittel in Supermärkten für ihr Foodsharing-Projekt sammelt. Wir drehten bei der Bonner Tafel und in der Müllverbrennungsanlage, und immer wieder trafen wir auf Plastik. Jede Sekunde gelangt weltweit eine LKW-Ladung achtlos ins Meer. Tiere verenden daran und den immer weiter zerkleinerten Müll fressen sie als Mikroplastik und letztendlich fressen wir ihn auch, ja vielleicht sollte man es auch so sagen.

Unsere Reise ging weiter und wir trafen eine tolle Frau: Prof. Dr. Marianne Gronemeyer. Sie ist Professorin für Erziehungs- und Sozialwissenschaften. Zu allen unseren Themen hatte sie was zu sagen, brachte es wunderbar zusammen und bestärkte uns in unserm Tun. Sie begleitet durch den Film und hat das Schlusswort.

Arved Fuchs ist Expeditionsreisender, Buchautor und Polarforscher. Auf Helgoland trafen wir ihn, als er mit seinem Schiff unterwegs war in Richtung Nordatlantik. Er segelte bis hoch nach Nordgrönland, um sich mit den Folgen des Klimawandels zu beschäftigen. Gleichzeitig dokumentierte seine Crew die Plastikvermüllung im Meer und an den Stränden. Grund genug für uns, ihn zu treffen. Mit an Bord war die Biologin Caroline Höschle. Mit Arved und Caroline waren wir dann auf der Insel unterwegs, sammelten Müll am Strand und standen irgendwann hoch über den berühmten Klippen und waren alle sprachlos. Nicht wegen der tollen Aussicht, sondern wegen den erschreckenden Szenen, die sich in den Klippen abspielten. Wir standen vor der großen Basstölpel-Kolonie. Die Vögel haben es sich im Laufe der Zeit angewöhnt, als Nestbaumaterial Plastikfasern aus Dollyropes (Quasten aus dünnen Plastikfäden, die in der bodennahen Fischerei eingesetzt werden) zu nutzen. Diese Grundanhänge von Schleppnetzen reißen oft ab, werden angeschwemmt und dann von den Basstölpeln aufgepickt. Ganze Nester werden aus Plastikfasern gebaut und immer wieder kommt es vor, dass die Tiere nicht nur das Plastik fressen, sondern sich in den Felsen mit den Fäden selbst strangulieren und elendig verenden. Wir filmten alles für unsere Dokumentation. Irgendwann, spät nachts, saßen wir erschöpft am Strand. Die Vögeln wollten uns nicht mehr aus dem Kopf gehen. Es war Sommer und wurde erst spät dunkel, keine 20 Meter entfernt lagen duzende Robben, eine mystische Atmosphäre. Marina, Tobias und Stephan erzählten ihre Gefühle vor der Kamera. Emotional und mutig. Eine Reise, die sie nie vergessen werden.Es war eine der vielen beeindruckenden Stationen für unsere Filmdokumentation. Ein zweites Mal reisten wir zu Dreharbeiten an die Nordsee. In Hamburg trafen wir Thilo Maack von Greenpeace. Das was er uns erzählte waren Fakten über die katastrophalen Zustände in den Weltmeeren. Sie stehen am Ende des Films, und es ist wahrhaftig kein Happy End geworden. Deshalb sind wir froh, dass uns Marianne Gronemeyer zum Schluss noch Ihren Traum erzählt.

Protagonisten:

Prof. Dr. Marianne Gronemeyer, Professorin für Erziehungs- und Sozialwissenschaften

Caroline Höschle, Biologin

Arved Fuchs, Polarforscher und Buchautor

Thilo Maack, Greenpeace-Meeresbiologe

 

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