Das sind Deutschlands neue Macher

von Sebastian Ramm

Rheinbachs bester Nachwuchs im Glashandwerk erzielt Bundes- und Landessieg im Wettbewerb des Deutschen Berufshandwerks

Altes Handwerk, neue Talente: Jährlich stellen die besten Junggesellinnen und -gesellen des Deutschen Berufshandwerks ihre Fähigkeiten unter Beweis. Im Rahmen des Berufswettbewerbs des Deutschen Handwerks „PLW – Profis leisten was“ und dem Kreativwettbewerb „Die gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“ zeigen die Nachwuchstalente, was sie können: Sie beherrschen ihr Handwerk, sind kreativ und überzeugen mit ungewöhnlichen Designlösungen und handwerklicher Experimentierfreude.

Aufgrund der Pandemieentwicklung kamen die Siegerinnen und Sieger des Jahrgangs 2020 deutschlandweit leider nicht in den Genuss großer Preisverleihungen. Die Handwerkskammer zu Köln hat deshalb jetzt Bundes- und Landessieger aus dem Kammerbezirk in ihren jeweiligen Betrieben besucht, um den jungen Handwerkerinnen und Handwerkern dort feierlich, aber auf Abstand, ihre Auszeichnungen zu überreichen.

„Was tun, wenn beeindruckende Leistungen auf dem Papier stehen, aber niemand davon hört? Das geht schlicht und einfach nicht“, so Alexander Hengst, Vizepräsident der Handwerkskammer zu Köln. Er war für die Auszeichnungen im Kammerbezirk unterwegs und fügt hinzu: „Normalerweise finden Preisverleihungen auf jeder Wettbewerbsebene statt. Corona hat uns da aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. Um dennoch unsere Wertschätzung gegenüber den Preisträgerinnen und Preisträgern sowie deren Ausbildungsbetrieben zum Ausdruck zu bringen, haben wir uns dazu entschlossen, punktuell den Wettbewerb nochmals in den Fokus zu rücken und bei einigen Betrieben persönlich vorbeizuschauen.“

Auch die Glasveredlerinnen Franziska Paffrath, Celina Käßner und Vivian Immik der Staatlichen Glasfachschule Rheinbach konnten die Jury von ihrem herausragenden handwerklichen Talent überzeugen. Sie erreichten im Wettbewerbsjahr 2020 in ihren jeweiligen Fachrichtungen – Schliff und Gravur, Kanten- und Flächenveredelung sowie Glasveredler mit der Fachrichtung Glasmalerei und Kunstverglasung – jeweils den ersten Landessieg in Nordrhein-Westfalen sowie den zweiten Bundessieg beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks „PLW – Profis leisten was“. Darüber hinaus beeindruckten sie die Jury auch im Kreativwettbewerb „Die gute Form – Handwerker gestalten“. Dabei erzielte Vivian Immik für die ästhetische und schöpferische Qualität ihres Glaskunstwerks den ersten Bundessieg, Franziska Paffrath und Celina Käßner konnten jeweils den zweiten Bundessieg im Kreativwettbewerb belegen.

In der Fachrichtung Schliff und Gravur wurde Franziska Paffrath ausgewählt. Sie entschied sich für das Thema „Leuchtturm“ und passte farbige Hohlkörper dem Motiv an. Die Glaselemente wurden durch Säge- und Schlifftechnik in der Form verändert und mit Farbe veredelt. Sie kombiniert in ihrem Stück die Gravurtechnik mit der Sandstrahltechnik. Eine in Miniatur hergestellte Glastreppe verbindet die sandgegossene Bodenplatte mit dem Leuchtturm.

In der Fachrichtung Kanten- und Flächenveredlung erhielt Celina Käßner mit Ihrem Glastisch die Auszeichnungen im Leistungswettbewerb. Das Tischobjekt besteht aus zwei veredelten Glasebenen, die durch Glassäulen getragen werden. Die gläsernen Hohlkörper wurden mit Sägetechnik auf Maß gebracht und mit Hilfe von Klebetechnik zum tragenden Element der Konstruktion. Die Tischflächen erhielten mit erschmolzenen Scheiben und Sandstrahltechnik ihre individuelle Flächengestaltung.

Vivian Immik präsentierte im Beruf der Glasveredler, mit der Fachrichtung Glasmalerei und Kunstverglasung, eine Glasmalerei mit dem Thema „Mobile“. Dabei bewegen und schweben übereinander angeordnete Glaselemente im Raum, die mit figurativen Bildmotiven sowie Schrift- und Grafikelementen gestaltet worden sind. Hierbei wurde das Siebdruckverfahren mit klassischen Glasmalereitechniken verbunden. Darüber hinaus verwendete sie Gelbbeize, auch bekannt als Silbergelb. Die Glasmalereielemente werden an Draht und Metallhalterungen hängend präsentiert.

Die Wettbewerbe des Deutschen Handwerks bieten Junggesellinnen und –gesellen, die ihre Abschlussprüfung mit der Note 2 oder besser abgelegt haben, die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten auf Bundesebene unter Beweis zu stellen. 

„Die gute Form im Handwerk“ wird für Teilnehmer aus Nordrhein-Westfalen in der Regel nur auf Bundesebene ausgetragen. Der Wettbewerb „PLW – Profis leisten was“ wird jährlich in den meisten der über 130 Handwerksberufe in bis zu vier aufeinander aufbauenden Stufen, und zwar auf der Innungs-, Kammer-, Landes- und Bundesebene, durchgeführt und dient der Förderung von Nachwuchstalenten im Handwerk. Zugangsvoraussetzung ist eine gute Leistung im praktischen Teil der Gesellenabschlussprüfung bei einem Höchstalter von 27 Jahren.   

Ein Erfolg in diesem Berufswettbewerb ist nicht nur eine wichtige Bravurleistung innerhalb der beruflichen Biografie der Junggesellinnen und -gesellen, sondern kann vor allem die Aufnahme in Förderprogramme eröffnen und beispielsweise für den Besuch der Meisterschule genutzt werden. Auch für den jeweiligen Betrieb oder die jeweilige Ausbildungsschule ist die Auszeichnung lohnend, da sie die hohe Ausbildungsqualität herausstellt.

 

Text: Stephanie Mörs

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